Was ist das und wie kommt man da drauf?
Es war ein langweiliger Abend, an dem ich mich auf der Seite der Fachschaft Informatik an der Uni Rostock herumtrieb. Einmal drueberschauend schaetzte ich grob, wieviele der Links tot waeren (es waren mehr als ich dachte, wie sich spaeter herausstellen sollte). Dabei stiess ich auch auf die Seite mit den Frequently Asked Questions. Dort stand es -- es gaebe einen Uni-eigenen News-Server mit Uni-internen Newsgroups. Meine Neugierde war geweckt. So alt die Informationen auf der Seite ansonsten auch waren, vielleicht waere hier ja noch ein Stueckchen Netzwerkfossilie zu finden.
Ich klemmte mir also den NNTP-Reader meiner Wahl (tin) unter den Arm und wagte mich in das Abenteuer Newsgroups. Und es lohnte sich. Der Server lebte noch, die Newsgroups waren noch vorhanden. Die meisten News waren aus dem Zeitraum im und um die Jahre 2000-2003... seitdem wurde es stiller und stiller.
Was war da?
Keine gaehnende Leere, sondern das pralle Leben. Das Leben der Fachschaft. Diskussionen. Kontroversen. Harte Kontroversen. Ich gebe zu, es machte mir Spass und ich kann es jedem nur empfehlen, mal auf diese Art in die Geschichte der Studienrendenschaft seiner Fakultaet einzutauchen. Dort findet man Saetze wie " Ausser der Organisation von Feten und Fussballturnieren ist der FSR antriebslos, wenig konsistent und degradiert sich selbst zu einer Einrichtung, die jeden Tag ein Stücken mehr zum verstaubten Relikt einer einst erfolgreicheren Zeit wird.". Nein, ich moechte an dieser Stelle nicht die Arbeit des Fachschaftsrates kritisieren (denn der macht mittlerweile schon viel mehr, es seien nur die Hochschulinformationstagsveranstaltungsmitorganisationsambitionen angesprochen) -- aber dennoch gibt es dort einige sehr interessante Dinge zu lesen.
Asyl fuer NNTP!
Wie ich es da so vor mir liegen sah, dieses schoene, ziel- und zweckgerichtete Protokoll, dass heute mehr uind mehr in Vergessenheit zu geraten droht, ueberkam mich das Mitleid. Ich wollte nicht zusehen, wie es damit zuendegeht. NNTP hat seine Daseinsberechtigung. Konkret ereilten mich die folgenden Gedanken: Man koennte die Newsgroup entweder anstelle der Fachschaftsmailingliste oder als Archiv zu ihr nutzen. Denn in der Newsgroup sind die Daten nicht verhoren, wenn der letzte die Mail geloescht hat. Ganz im Gegenteil, sie ist ein (begrenzt geschuetztes) Archiv. Ich schlug die Idee vor und erhielt die prompte Antwort, dass man das heute Alles viel besser und einfacher und ueberhaupt bedienbarer ueber ein Webinterface loesen koennte.
Das ist einer der Trends dieser Tage, den ich so hasse. Wenn es so weitergeht, dann gibt es in ein paar Jahren nur noch ein textbasiertes Netzwerkprotokoll -- HTTP. Alle anderen Anwendungen, fuer die man heute noch andere Protokolle nutzt (IRC, SMTP, POP3, IMAP) werden durch tolle Webinterfaces ersetzt, die sich verhalten wie eine lokale Anwendung (Ajax laesst gruessen), aber eben keine sind. Es ist mir zuwider. IRC ist beispielsweise ein einfaches, geradezu schlichtes Netzwerkprotokoll um Konferenzen per Chat durchzufuehren. Es gibt keine Notwendigkeit dafuer, dass diese Funktionalitaet durch die Anbieter von ICQ in proprioetaerer Form neu eingefuehrt wird. Aber der Benutzer will es offensichtlich. Und wenn man das dann noch ueber einen Webbrowser bedienen kann scheint er selig zu sein. Tolle Evolution! Ich habe lieber ein Protokoll, welches wohldokumentiert ist und fuer das ich einen Clienten meiner Wahl benutzen kann. Eine Webanwendung schliesst die Nutzung von einer Kommandozeile fast immer sicher aus - schon, weil der Nutzer die Graphiken nicht lesen kann. Ich benutze irssi zum Chatten, vi um Webseiten zu schreiben und tin um News zu lesen - und bin damit gluecklich, meine Mails mit Clwas-Mail zu schreiben. Aber genug aufgeregt, zurueck zu den Argumenten.
Fuer den Nuzter sei es einfacher, eine Weboberflaeche zu bedienen, als einen NNTP-Client. Mag sein, schliesslich wird er ja mittlerweile geradezu zirkusreif auf das Klicken trainiert. Aber ueber was fuer Nutzer rede (schreibe) ich hier eigentlich? Es sind die angehenden Informatiker, mit denen ich mich hier befasse. Wenn man von einem Agraroekologen oder Juristen verlangte, einen News-Client einzurichten, ich wuerde es verstehen, wenn er sich straeubte. Aber einen Informatiker sollte das nicht schrecken! Wie soll er sich sonst einmal zurechtfinden, wenn er die Mechanik hinter einem Webinterface reparieren soll und mit "SMTP", "sendmail" oder gar "ssh" nichts mehr anfangen kann?
Stelle man sich einmal folgendes vor: Die Uni Rostock waere nicht nur durch einen Channel namens #uni-rostock im euIRC vertreten (siehe auch Channelhomepage), nein, sie waere vielleicht auch noch dafuer bekannt, dass sie zweckmaessige Kommunikationsmittel benutzte. Und irgendwann gibt es auch mal eine brauchbare Homepage. Generationen von Fachschaftsratsmitarbeitenden und Studenten koennten problemlos Diskussionen und Debatten der letzten Jahre nachvollziehen. Und Neueinsteiger in die Fachschaftsarbeit haetten kein Problem, Vorgaenge zu verstehen, die vor ihrem Engagement begannen. Daher mein (wahrscheinlich ungehoert verhallender) Ruf: Rettet die News an der Uni-Rostock!.
Konkrete Vorschlaege
Aber wer waere ich, wenn ich es beim Beklagen des aktuellen Zustandes beliesse? Also meine Vorschlaege (die Sinnhaftigkeit moege der Betrachter bewerten):
- Newsgroup als Archiv
Die vielleicht praxisnaechste Art, eine Nutzung wieder einzufuehren -- paralelle Nutzung der Mailinglist und der Newsgroup. Die wuerde ein Skript oder aehnliches erfordern, welches eine solche Archivierung vornaehme. Der Voreteil ist, dass sich fuer niemanden etwas aendern wuerde. Damit wuerde auch niemand Etwas aendern. Ausser einer weiteren Redundanz wuerde es nichts bringen. Diskussionen auf der Newsgroup waeren immer gefaehrdet, nicht wahrgenommen zu werden. Und somit von vornherein unsinnig. Es bliebe einzig der Vorteil des Archivs. Das aber koennte man leider auch mit einem Archiv mit Webfrontend loesen. Allerdings stellt sich da wieder die Frage, wer es wie lange wartet -- und ab wann es dann ungepflegt brachlaege. Erinnert sei an den hochgelobten "Protokoll-Manager", dessen Ruinen noch lange unter http://fs.in-dev.de (ja, nicht einmal auf einem Uni-Server) besichtigt werden konnten (Das Windows-Binary waere bei einem existierenden Mailinglist-Archiv noch greifbar, so muesste man herumfragen). Eine Newsgroup existiert, ist verlaesslich. Lediglich ein Skript muesste entworfen werden, welches einmalig die RFCs fuer Mail und News zu verstehen gelehrt werden muesste. Und wenn es dann noch dokumentiert waere, waere das schon eine recht feine Sache.
- Newsgroup als Mailinglist-Ersatz
Ein Traumszenario. Die Newsgroup als oeffentliche Diskussionsplattform. Jeder Student koennte die Ideen und aktuellen Vorhaben der Fachschaft mitlesen und mitdiskutieren. Keine Administration einer Mailinglist notwendig. Kaum Spamprobleme. Wer Interesse hat, der haengt sich rein. Wer nicht, der eben nicht. Aber das wird wohl daran scheitern, dass man kaum gegen den Trend ankommt, der allgemein zu Mailinglists geht. Es gaebe sogar ein Backup ausserhalb der Kopien, die die einzelnen Nuzter haben - schliesslich laegen diese Newsgroups auf den Backups des Rechenzentrums (sie wurden bereits einmal wiederhergestellt).
- Newsgroup paralell zur Mailinglist
Die simpelste Variante. Aber leider voellig strukturlos. Kein Mitglied des Fachschaftsrates liest mit, was in der Newsgroup passiert. Dennoch waere das die einfachste Moeglichkeit, NNTP wieder einzufuehren. Nutzt die Newsgroup, macht sie publik, sammelt Nutzer, verlagert mal eine Diskussion hierhinein, an der der Rest der Studierendenschaft betiligt werden soll.
Was tun?
Anfangen! Besucht die Newsgroup und sagt mir, was ihr von meinen Vorschlaegen haltet.
Und wie?
Fuer diejenigen, die wissen, was sie tun muessen, hier kurz und knapp die Daten:
| Server | news.uni-rostock.de |
| Port | nntp (119) |
| Newsgroups | uniro.fin.fachschaft |
| Es gibt noch weitere, schaut selbst :) |
Microsoft Outlook Express 5
Ich hatte zwar nur ein Outlook Express in Version 5 greifbar als ich die Screenshots machte, allerdings sollten die Schritte sinngemaes auch bei Outlook Express 6 gelten. Das Grosse Outlook aus der Office-Suite enthaelt uebrigens keinen News-Clienten mehr. Die Bilderserie findet man unter http://wwwstud.informatik.uni-rostock.de/ad001/nntp/einrichtungMSOE5.html.
Thunderbird bzw. Icedove
Dazu habe ich eine Fototapete unter http://wwwstud.informatik.uni-rostock.de/ad001/nntp/einrichtungTB.html abgelegt.
Opera
Auch dazu habe ich eine Fototapete zusammengebastelt.. die ist unter http://wwwstud.informatik.uni-rostock.de/ad001/nntp/einrichtungTB.html zu finden.